Ein Beitrag von Peter Reutter
Am 5. Oktober 2009 hatte die Portugiesische Außenhandelsagentur AICEP in Zusammenarbeit mit dem Madeirawein-Institut IVBAM ins sonnige Hamburg zur jährlichen Madeirawein Verkostung eingeladen. Die Weinprobe fand in angemessenem Rahmen im Grand Elysee Hotel statt. Bemerkenswert, dass mit dieser Verkostung ein Zeichen gegen die allgemeine Resignation gesetzt werden sollte, die zurzeit auf dem Weinmarkt umgeht. Dank zahlreicher sehr guter Weine, einer gelungenen Madeira Masterclass und einer perfekten Organisation war die Verkostung ein voller Erfolg und wurde von den Anwesenden sehr gut aufgenommen. Im Vergleich zur Weinprobe von Berlin im letzten Jahr war die Steigerung in allen Bereichen spürbar.
Aus Madeira waren diesmal sogar fünf Produzenten anwesend: H. M. Borges Lda, vertreten durch Goncalo de Spinola, Henriques & Henriques Vinhos SA, repräsentiert durch Humberto Jardim, die Madeira Wine Company SA, repräsentiert durch Ricardo Tavares, Vinhos Barbeito Lda., vertreten durch Americo Pereira von Diogos Wine Shop in Funchal und Vinhos Justino Henriques Filhos Lda., repräsentiert durch Julio Fernandes. Das IVBAM selbst war nach den Querelen um die Entlassung des Direktors Paulo Rodrigues aktuell vertreten durch den Vizedirektor Joao Nunes. Die Portugiesische Außenhandelsagentur AICEP wurde repräsentiert durch Matthias Meichsner.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war zweifellos eine sehr interessante Madeira Masterclass, moderiert von Michael Pleitgen, dem Leiter der Berliner Weinakademie, assoziiert mit dem Wine and Spirit Education Trust WSET. Hier gab es 10 sehr beeindruckende Weine zu verkosten. Zuvor wurden in einer halbstündigen Präsentation die Besonderheiten des Madeiraweines bezüglich Geschichte, Herstellung, Weintypen und Aromenspektrum erläutert. Auch für die schon Erfahrenen gab es dabei noch das Ein oder Andere dazuzulernen.
Alle erwähnten Firmen hatten zudem ein großes Sortiment an Blends mitgebracht, die anschließend in einer freien Verkostung probiert werden konnten. Auch einige Vintages oder ältere Blends gab es dabei zu entdecken. Abgerundet wurde die Verkostung durch kleine Gaumenfreuden und einen leckeren Bolo de Mel, der hervorragend zum Madeirawein harmonierte.
Ein Kompliment an Joao Nunes vom IVBAM und Matthias Meichsner von AICEP für diese sehr gelungene Veranstaltung und ein großes Dankeschön für die Einladung. Bei einer so beeindruckenden Entwicklung braucht es einem um die Zukunft des Madeiraweines nicht bange zu sein.
Die Verkostungsnotizen von 14 Weinen, die mich besonders beeindruckten folgen nachstehend. Dabei fällt auf, dass der Schwerpunkt dieses Jahr eindeutig bei den süßen und halb-süßen Weinen lag. Aber für die kommende kalte Jahreszeit mögen dies wohl auch die passendsten Weine sein…
H. M. Borges
1998 Malvasia Colheita
Diese Colheita präsentiert sich in dunklem Mahagoni. In der Nase dominieren röstig-dunkle Haselnuss-Aromen, zusammen mit viel flüchtiger Säure und Orangeat. Im Mund ist der Wein schön süß, gut ausbalanciert mit mäßiger Säure, dazu gibt es viel Karamell mit einem Hauch Vanille, wieder Nuss und dann ein langes Karamell-Finish. Ein schönes Beispiel für eine konservativ gestaltete Malvasia Colheita. 91 Punkte 10/2009.
1995 Boal Colheita
Hier zeigt sich ein helles aber kühl wirkendes Jodbraun als Farbe. Wuchtige und leicht angesengte Karamell-Töne bestimmen das Bouquet, dazu etwas flüchtige Säure. Beim ersten Schluck präsentiert sich der Wein sehr rauchig-röstig, mit viel Toffee, viel Karamell und trotzdem viel fruchtig-spritziger Säure. Ein mittellanges Karamell-Finish endet sauber und hinterlässt einen insgesamt sehr leckeren Eindruck. Ein schöner Old-Style-Wein! 92 Punkte 10/2009.
1977 Sercial Vintage
Der Wein präsentiert sich mit hellem Jodbraun, in der Nase ist er nussig-frisch, mit leichter Holznote und einem winzigen Spritzer flüchtiger Säure, was den Eindruck der Leichtigkeit noch unterstreicht. Am Gaumen ist dieser Sercial erstaunlich süß, ganz bestimmt auch ein Wein für die Madeira-Genießer, die sonst mit Sercial nicht so viel anfangen können. Eine angenehm nussige Grundstruktur mit trotzdem viel Säure setzt sich fort in leichte Karamelltöne, etwas Toffee und dann nochmals viel Walnuss zum langen Abgang. Ein beeindruckender Wein, und endlich ein Sercial, den man auch einmal jung schon gut trinken kann. 93 Punkte 10/2009.
Henriques & Henriques
2000 Bual Single Harvest
Hier zeigt sich das junge Alter an der Farbe, die ein helles Mahagoni mit grünlichem Rand aufweist. In der vielschichtigen Nase mit etwas flüchtiger Säure dominieren Trockenfrüchte und Karamell, dazu aber auch etwas Vanille. Am Gaumen ist der Wein angenehm süß, rund und harmonisch, mit viel Karamell und eher milder Säure, im Hintergrund dezente Frucht, die sich bis zum sahnigen Karamell- und Toffee-Finish hinzieht. Vielleicht hat dieser Wein etwas wenig Individualität, ist aber herrlich angenehm zu trinken und macht einfach Spaß. Ein schöner Wein für die kalte Jahreszeit! 92 Punkte 10/2009.
1998 Rich Single Harvest
Dieser Single Harvest Wein leuchtet in hellem Jodbraun und weist einen vielfältigen Strauß von diversen Aromen auf: Karamell, Toffee, Walnuss, Rosinen und einen Hauch Kaffee. Im Mund springt einen die wuchtige Säure an, die sich als Basisstruktur durch den gesamten Geschmackseindruck hindurch zieht. Dazu gibt es leckere Zitrusaromen die nach kurzer Zeit einer breiten Lage Karamell weichen. Die angenehme Süße unterstreicht den positiven Gesamteindruck des Weines, der auf einem langen fruchtigen Finish endet. Ein gut gemachter Tinta Negra Mole Wein! 91 Punkte 10/2009.
Madeira Wine Company:
2001 Blandys Harvest Malmsey
Der Wein zeigt eine schöne goldbraune Färbung mit leicht rötlichem Rand, etwas in Richtung Kastanie gehend. Die Nase ist vollgepackt mit Karamell und nussigen Aromen, dazu eine dezente Röstnote. Am Gaumen viel Süße mit ausreichend korrespondierender Säure, auch hier viel Karamell, viel Walnuss, eine pikante Röstnote die sich bis zum langen Karamell-Finish hinzieht. Sehr lecker und süffig, ein toller Wein für den Winter und trotz der Jugend schon erstaunlich komplex. 92 Punkte 10/2009.
1990 Blandys Colheita Malmsey
Diese Colheita weist ein dunkles Jodbraun mit leicht grünlichem Rand auf. In der Nase verhalten, mit etwas flüchtiger Säure und Karamell, schaltet der Wein im Mund zwei Gänge hoch. Eine herrliche Süße zeigt sich gepaart mit kräftiger Säure, dazu bitter-süße Frucht und Karamell mit mittellangem Karamell-Finish. Ein beeindruckender Wein, der uns vielleicht in einigen Jahren als Vintage wieder einmal begegnet. 91 Punkte 10/2009.
1976 Blandys Terrantez Vintage
Dieser Terrantez Vintage Madeira ist für mich der beste Wein der Verkostung gewesen. Die Farbe mit dunklem Mahagoni, die vielschichtige Nase, mit viel flüchtiger Säure, etwas Moschus, dunkel-röstige Aromen, dann wieder diese wilde, animalische Note, in den USA würde man wohl „funky“ sagen, auch irgendwie ledrig, wachsig, dazu eine Palette Dörrobst, dies Alles ist schon vor dem ersten Schluck sehr verheißungsvoll. Und dann im Mund – hält der Wein mit jedem Schluck was Farbe und Nase versprechen! Nussige Süße, scharf antretende Säure, dann ein bitterer Übergang, wieder mit Walnuss-Aromen, viel Karamell, Rosinen, Molasse, wieder ein leichter Hauch dieses animalischen Spektrums im Hintergrund und zuletzt ein langes, nussig-bitteres Finish. Wow – was für ein toller Wein! Kaum zu glauben, dass er nur 21 Jahre im Fass gewesen sein soll. Ich hoffe sehr, dass noch viel davon im Fass weiterreifen darf, hier reift nämlich ein echter Klassiker heran. 94 Punkte 10/2009.
Vinhos Barbeitos
VB Reserve
Lote 2 Cask 12d und 46a
Diese ausgefallene Spezialität zeigt sich mit hellem Jodbraun und in der Nase mit sehr viel Frucht und einem interessanten Hauch Karamell dazu. Im Mund ist der Wein ebenfalls sehr fruchtbetont, spritzig, mit viel Säure und geradezu lecker frisch, dann gibt es noch ausreichend Karamell und eine milde Süße, die das mittellange Ende tragen. Ein sehr gelungener Wein, der sich sowohl als Aperitif als auch als Digestif eignet. 92 Punkte 10/2009.
Malvasia 20 Years Old
Dieser seltene 20 YO Blend zeigt eine typische Tawny-Farbe mit strohfarbenem Rand. Die Nase wird stark von Nussaromen und frischer Frucht dominiert. Am Gaumen ist der Wein recht süß, aber erstaunlich komplex, mit sehr viel Säure, fast ein wenig überwältigend, viel, viel Frucht, und zuletzt ein nussig-bitteres Finish. Ich muss der Fairness halber zugeben, dass den meisten Anwesenden der Wein deutlich besser gefiel als mir. 89 Punkte 10/2009.
2001 Boal Colheita
Die Farbe ist ein helles Strohbraun, fast ins Gelbliche gehend. In der Nase zeigen sich kandierte Orangen und etwas traubiges Obst, entfernt an einen Moscatel de Setubal erinnernd. Auch im Mund vermittelt der Wein einen eher leichten Eindruck. Er ist sehr süß, zeigt nur wenig Säure, eher wenig Frucht, vielmehr Karamell und Toffee. Leider wirkt er dadurch für einen Säurefreund wie mich grenzwertig klebrig und eindimensional. Das Ende ist eher kurz, aber wiederum sehr karamellbetont. 89 Punkte 10/2009.
1981 Verdelho Vintage
Ein guter Bekannter, dieser 1981er Verdelho, der bis 2005, also 24 Jahre im Fass gelegen hat. Die Farbe ist ein mittelhelles Tawny, mit einem Hauch Rot dabei. In der Nase zeigen sich Trockenfrüchte, etwas Zimt und Rosinen, deutlich vielschichtiger als ich sie in Erinnerung hatte. Im Mund attackiert einen die wuchtige Säure, eher verhaltene Süße, fast schon ins Trockene gehend, dazu schöne Zitrusfrucht, nur wenig Karamell, aber trotzdem komplex und nussig, die Säure zieht sich bis zum nussigen Ende durch. Ein sehr gelungener und kräftiger Wein! 93 Punkte 10/2009.
Vinhos Justino Henriques
1995 Colheita
Der Vorgänger meiner Lieblingscolheita zeigt sich mit goldig glänzendem Braun und einer ungewohnten, aber trotzdem sehr angenehmen Nase aus fruchtigem Karamell mit einem anfänglichen Spritzer Pfefferminze. Im Mund ist der Wein süß, schön mit ausreichend Säure ausgewogen, schöne Frucht im Hintergrund, insgesamt aber eher auf Karamell und Nuss gebaut, mit leicht bitterem Nuss-Finish von mittlerer Länge. Der Wein ist gut gemacht, erreicht aber nicht ganz das Niveau seines Jahrgangsnachfolgers. 91 Punkte 10/2009.
1996 Colheita
Diese Colheita aus Tinta Negra Mole begeistert mich schon seit langem und ist wiederum sehr beeindruckend. Mit dunklem Jodbraun und seiner sehr reichhaltigen Nase mit Nüssen, Kaffee und Feigen präsentiert er sich sehr zugänglich. Am Gaumen zeigen sich dann –wie sonst auch- eine angenehm ausgewogene Süße, perfekt mit schöner Säure ausbalanciert, dazu Toffee, Mandeln, Nüsse, dann auch dunklere Röstaromen. Diesmal ist die Colheita fast noch etwas weicher und runder als sonst, vielleicht liegt es an der längeren Lagerung. Das weinige Finish ist lang und der Wein ist herrlich angenehm zu trinken, eine tolle Verbindung von Komplexität und Harmonie. 92 Punkte 10/2009.
Dieser seltene 20 YO Blend zeigt eine typische Tawny-Farbe mit strohfarbenem Rand. Die Nase wird stark von Nussaromen und frischer Frucht dominiert. Am Gaumen ist der Wein recht süß, aber erstaunlich komplex, mit sehr viel Säure, fast ein wenig überwältigend, viel, viel Frucht, und zuletzt ein nussig-bitteres Finish. Ich muss der Fairness halber zugeben, dass den meisten Anwesenden der Wein deutlich besser gefiel als mir. 89 Punkte 10/2009.
2001 Boal Colheita
Die Farbe ist ein helles Strohbraun, fast ins Gelbliche gehend. In der Nase zeigen sich kandierte Orangen und etwas traubiges Obst, entfernt an einen Moscatel de Setubal erinnernd. Auch im Mund vermittelt der Wein einen eher leichten Eindruck. Er ist sehr süß, zeigt nur wenig Säure, eher wenig Frucht, vielmehr Karamell und Toffee. Leider wirkt er dadurch für einen Säurefreund wie mich grenzwertig klebrig und eindimensional. Das Ende ist eher kurz, aber wiederum sehr karamellbetont. 89 Punkte 10/2009.
1981 Verdelho Vintage
Ein guter Bekannter, dieser 1981er Verdelho, der bis 2005, also 24 Jahre im Fass gelegen hat. Die Farbe ist ein mittelhelles Tawny, mit einem Hauch Rot dabei. In der Nase zeigen sich Trockenfrüchte, etwas Zimt und Rosinen, deutlich vielschichtiger als ich sie in Erinnerung hatte. Im Mund attackiert einen die wuchtige Säure, eher verhaltene Süße, fast schon ins Trockene gehend, dazu schöne Zitrusfrucht, nur wenig Karamell, aber trotzdem komplex und nussig, die Säure zieht sich bis zum nussigen Ende durch. Ein sehr gelungener und kräftiger Wein! 93 Punkte 10/2009.
Vinhos Justino Henriques
1995 Colheita
Der Vorgänger meiner Lieblingscolheita zeigt sich mit goldig glänzendem Braun und einer ungewohnten, aber trotzdem sehr angenehmen Nase aus fruchtigem Karamell mit einem anfänglichen Spritzer Pfefferminze. Im Mund ist der Wein süß, schön mit ausreichend Säure ausgewogen, schöne Frucht im Hintergrund, insgesamt aber eher auf Karamell und Nuss gebaut, mit leicht bitterem Nuss-Finish von mittlerer Länge. Der Wein ist gut gemacht, erreicht aber nicht ganz das Niveau seines Jahrgangsnachfolgers. 91 Punkte 10/2009.
1996 Colheita
Diese Colheita aus Tinta Negra Mole begeistert mich schon seit langem und ist wiederum sehr beeindruckend. Mit dunklem Jodbraun und seiner sehr reichhaltigen Nase mit Nüssen, Kaffee und Feigen präsentiert er sich sehr zugänglich. Am Gaumen zeigen sich dann –wie sonst auch- eine angenehm ausgewogene Süße, perfekt mit schöner Säure ausbalanciert, dazu Toffee, Mandeln, Nüsse, dann auch dunklere Röstaromen. Diesmal ist die Colheita fast noch etwas weicher und runder als sonst, vielleicht liegt es an der längeren Lagerung. Das weinige Finish ist lang und der Wein ist herrlich angenehm zu trinken, eine tolle Verbindung von Komplexität und Harmonie. 92 Punkte 10/2
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